nicht nur durch positives Denken: positiv gestimmte, fröhliche Frau mit Regenschirm

Positives Denken und Positivität: kleiner Unterschied ganz groß

Positives Denken, Glück, Positivität, Optimismus: für die einen ein Heilsversprechen, für die anderen ein übler sozialer Druck zum Dauergrinsen, für die Dritten die zuckerlrosa Verirrung naiver Träumerleins, für wiederum andere etwas, vor dem man sogar warnen muss. Denn laut ihnen kann positives Denken sogar schädlich sein. Na was denn jetzt?, fragst du dich vielleicht.

„Positive“ Sprachverwirrung

Höchste Zeit, ein paar Missverständnisse aufzuklären, die derzeit zu diesen Begriffen durch das Netz geistern. Der Grund für das Kuddelmuddel ist wieder mal die babylonische Sprachverwirrung: Die Begriffe positives Denken, Glück, Positivität, positive Emotionen, Optimismus und einige mehr werden oft gleich gesetzt und als Synonyme behandelt. Dabei geht es jedoch um grundverschiedene Dinge, die als Verbindendes eine positive Qualität haben.

Die Mutmacherei bietet mit Brain 4.0 ein Positivitätstraining an. Da bekommen wir oft die Empfehlung, es doch anders zu benennen – mit Glück oder Optimismus oder positivem Denken, da der Begriff Positivität nicht geläufig ist. Doch das ist eben nicht so einfach.

Positives Denken

Die wichtigste Unterscheidung ist zwischen Positivität und positivem Denken zu treffen. Das positive Denken nahm seine Anfänge bereits Ende des 19. Jahrhunderts und stützt sich sehr stark auf die Beeinflussung unseres Denkens durch Affirmationen und Visualisierungen. Es geht davon aus, dass die Dinge, die wir für wahr halten (indem wir sie uns durch Affirmationen immer wieder vorsagen), irgendwann auch wahr werden. Die Grenze zur Esoterik ist fließend und viele Ratgeber arbeiten auf dieser Basis. Positives Denken hält jedoch auch dazu an, Negatives zu verleugnen und „negative“ Emotionen zu verdrängen, was besonders bei labilen Persönlichkeitsstrukturen zu ernsthaften Schwierigkeiten führen kann.

Positivität

Positivität hingegen ist ein Untersuchungsgegenstand der positiven Psychologie und bezeichnet eine Grundhaltung, die als bewusste Entscheidung die Aufmerksamkeit immer wieder gezielt auf Positives richtet. Im Gegensatz zum positiven Denken wird hier das Positive nicht im Kopf konstruiert, sondern es geht um reale Erlebnisse und Erfahrungen im gelebten Alltag. Weiters geht es nur um Erfahrungen, die emotional positiv bewertet werden, nicht aber darum, emotional negativ Erlebtes auf positiv „umzufärben“. Negatives darf durchaus sein und hat seine Berechtigung im Leben. Die Frage ist nur, ob man ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken will.

Der Unterschied an einem Beispiel

Ein konkretes einfaches Beispiel: Sandra wacht eines Morgens auf und findet sich beim Blick in den Spiegel plötzlich ganz hässlich. Ein Pickel auf der Wange, Ringe unter den Augen, blasse Haut, alles ganz fürchterlich… Mit dem Ansatz des positiven Denkens würde Sandra nun beginnen, die Wohnung mit Post-its vollzupflastern: Ich bin schön! Schönheit kommt von innen! Und sich 348 Mal am Tag vorsagen: Ich bin schön, ich bin schön, ich bin schön…

Ganz anders der Zugang der Positivität: Sandra nimmt wahr, dass sie mit ihrem Äußeren gerade gänzlich unzufrieden ist und überlegt, ob es sich um ein ernsthaftes Problem handelt, dem sie Zeit und Energie widmen soll. Sie beschließt, dass es eher unnötige Negativität ist und entscheidet sich, ihre Aufmerksamkeit von dem Spiegelbild weg und in eine andere Richtung zu lenken: Was in ihrem Umfeld ist gerade positiv? Sandra schaut sich um und merkt, wie die Sonne beim Fenster hereinfällt und ihr Zimmer in ein wunderbares Licht taucht. Sie empfindet Dankbarkeit für den liebevollen Blick, den sie von ihrem Partner bekommt – trotz Pickel. Sandra fällt ein, dass es ihr im Großen und Ganzen gut geht und ihr Leben in Ordnung ist. Auch dafür empfindet sie Dankbarkeit.

Konstruiert versus real

Die Dankbarkeit, die Freude über die Sonnenstrahlen – all das löst positive Emotionen in Sandra aus, die sie tatsächlich empfindet und nicht in ihrem Kopf konstruiert. Sie entstammen ihrem realen Leben und nicht einem geistigen Konstrukt. Der Pickel ist ebenfalls real und die negativen Gefühle, die ausgelöst hat, doch er hat aufgrund einer bewussten Aufmerksamkeitsentscheidung von Sandra klar an Bedeutung verloren.

Optimismus

Ein weiterer irrtümlich als Synonym verwendeter Begriff ist der Optimismus. Dieser hat auch mit einer positiven Grundhaltung zu tun, dreht sich aber vor allem um die Erwartungen, die man an den Ausgang eines Ereignisses oder einer Entwicklung in der Zukunft hat. Ob jemand eher optimistisch oder pessimistisch ist, liegt in der Persönlichkeitsstruktur begründet und wirkt wie ein voreingestellter Filter auf unsere Wahrnehmung der Welt.

Glück

Auch Glück ist ein Untersuchungsgegenstand der positiven Psychologie und erhält derzeit sehr viel mediale Aufmerksamkeit. Glück im Sinne von Glücklichsein beschreibt einen subjektiv empfundenen Zustand des Wohlergehens. Der Weg dorthin, Auslöser oder Ursache können individuell sehr verschieden sein. Auch wenn Positivität und Glück wohl eng verwandt sind, beschreiben sie unterschiedliche Dinge: Positivität eine Haltung mit selektiver Aufmerksamkeitsrichtung, Glück einen subjektiv empfundenen emotionalen Zustand.

Was lernen wir daraus?

  • Glück kann man nicht erzwingen, auch nicht durch Dauergrinsen.
  • Nicht jede*r ist zum Optimismus geboren.
  • Positives Denken ist nicht die Antwort auf alle Fragen und kann sich negativ auswirken.
  • Positivität ist nicht das gleiche wie positives Denken.
  • Und vor allem: Positivität kann man lernen.

Wie man Positivität lernen kann, erfährst du demächst auf unserem Impulsworkshop „Wie du mehr Positives in dein Leben bringst“.

Beitragsbild: © limonzest / 123RF Stock Photo

 

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