So läuft’s hier!

Jasmina Seidler hat dieses „neue Märchen“ geschrieben und sich dabei durch eine wahre Begebenheit inspirieren lassen. Jasmina bezieht sich in ihrer Geschichte auch auf das PERMA-Modell der Positiven Psychologie.

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Nachmittags sitzen zwei Freunde im Garten beim Bier, als sie Folgendes bemerken:

„Hey, die ziehen neu ein.“
„Ja, aus Afghanistan …“
„Sprechen die überhaupt deutsch?“
„Nicht gut.“
„Wissen die, wie das bei uns so läuft?“
„Nicht im Geringsten. Die kommen her und haben keinen Plan.“
„Wir sollten ihnen zeigen, wo’s lang geht.“
„Ja, sowas von.“
„Einer muss es ja tun.“
„Genau!“

Jetzt wird mit der Faust auf den Tisch geschlagen.

„Lass uns gleich rübergehen.“
„Aber hallo!“

Beide sind aufgestanden.

Fünf Minuten später, vor der Haustüre der neuen Nachbarn, gibt es schon einen eifrigen Wortaustausch mit Herrn und Frau Gzyöcan.

„ …Es wäre aber klüger, die Rosengasse zu nehmen, da sind Sie nämlich schneller beim Friseur und der Supermarkt liegt gleich auf dem Weg. Dort arbeitet der alte Eddie jeden Vormittag, der wird Ihnen sonst immer weiterhelfen. Ich habe eine Ortskarte zuhause, die kann ich Ihnen mal gerne vorbeibringen. Da stehen auch alle wichtigen Telefonnummern oben“,

erklärt einer der Männer. Sein Freund schließt sich gleich an:

„Kennen Sie sich schon etwas besser aus? Wissen Sie jetzt ungefähr, wie es bei uns so läuft? Ich kann mir vorstellen, wie verwirrend das alles ist, noch dazu in einer anderen Sprache. Wenn Sie mal was nicht verstehen, dann können Sie mich gerne fragen. Ich bin im Haus gleich gegenüber. Wir können zusammen auch mal die angrenzenden Städte erkunden, da gibt’s manchmal bessere Einkaufsmöglichkeiten und ich hab sogar mal was von einer Moschee gehört!“
„Das ist wirklich sehr nett, ich habe am Anfang schon Angst gehabt vor dem neuen Leben hier,“

gibt Herr Gzyöcan zu.

„Man weiß nie, was die Leute sagen werden.“

Frau Gzyöcan nickt.

„Ach, keine Sorge, es wissen doch alle, dass sie Unterstützung brauchen. Und hier bei uns hilft man einfach!“

Die Gzyöcans sind begeistert und fragen, ob das wirklich immer so ist. Eine Nachbarschaft, zu schön, um wahr zu sein! Da räumt einer der beiden Freunde ein:

„Naja, nicht nur in unserer Nachbarschaft. Im ganzen Land, eigentlich. Die, die zufällig in der Nähe einer Familie wie Ihrer – Einwanderer aus sehr verschiedenen Kulturen – wohnen…”
„Haben es sich zur Aufgabe gemacht –”
„Haben es sich zur Aufgabe gemacht …”

Der Mann beäugt seinen Freund streng für die Unterbrechung.

„Sicherzustellen …”,

hilft ihm sein Kumpel trotzdem auf die Sprünge.

„Ja, sicherzustellen, dass wir für Sie da sind. Dass Sie nicht ausgeschlossen werden, dass sie keine Probleme mit der neuen Ortschaft haben, dass Sie jederzeit jemanden haben, der ihre Fragen beantwortet und Sie behandelt wie …”
„Wie ganz normale Nachbarn”,

vollendet der andere.

„Du kannst es einfach nicht lassen …”,

seufzt sein Freund.

Das Ehepaar vor ihnen schmunzelt belustigt. Sie sehen sich kurz an, der Blickaustausch ersetzt ein Gespräch und am Ende scheinen sie einen Entschluss gefasst zu haben. Frau Gzyöcan lächelt und tritt einen Schritt zurück.

“Möchten Sie reinkommen? Ich habe Tee aus meiner Heimat hier, den müssen Sie probieren!”  

 

Herzerwärmend, nicht? Wenn es so etwas Schönes ist, wieso also nicht auch bei uns? Wir brauchen nicht mal eine landesweite Unternehmung, keine Projektleiter, keine Anmeldungen. 

Es liegt bei jedem selbst.

Alles, was wir tun müssen, ist uns bei unseren Mitmenschen mal umzusehen. Probier es doch mal aus! Ich habe gehört, neue Nachbarn heißt man bekanntlich mit einer Torte willkommen … (Die Gyzöcans würden sich auf jeden Fall darüber freuen!)

 

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Jasminas Geschichte zeigt so schön, wie kraftvoll positive, gelingende Beziehungen sind. Es braucht bloß ein wenig Mut zum Du


mutmacht Puzzleteilchen 8.3.1

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      • 1. Funke

 


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