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Ich will die Scheidung!

oder: Von der strategischen Arbeit des Mutmachens

PICT2880_2„Warnhinweis: Das Lesen dieses Newsletters kann deine Stimmung deutlich verbessern. Wir übernehmen dafür gerne die Verantwortung.“ Diesen Hinweis sollten wir unseren „Monatlichen Mutmachereien“ voranstellen. Denn unsere Abonnent*innen schreiben uns immer wieder, wie es ihnen damit ergeht – aber gleich vorab: Hier handelt es sich nicht um Eigenwerbung.

Okay, ein kleines bisschen vielleicht schon 😉 Doch in meiner heutigen Message geht es um etwas ganz anderes: Es gibt Menschen, die lassen sich gerne inspirieren und ermutigen. Und es gibt andere, die haben eine leidenschaftliche Affäre mit – hm, sagen wir mal … – Motzerei, Jammern und Negativität. ihr kennt sie alle, die Menschen, die über alles und jedes motzen und in jeder Suppe mehr als ein Haar finden. Man kann es ihnen nicht recht machen und sie werden jedem Argument ein „ja, aber …“ entgegensetzen.

Grundsätzlich soll jede*r nach der eigenen Fasson glücklich oder unglücklich werden, doch hier geht es um mehr. Denn der Hang zum Negativen ist oft keine freie Wahl, er ist den Betroffenen oft gar nicht bewusst und viele leiden darunter. Was sie nicht wissen ist, dass es auch anders geht. Doch zunächst zurück zum Start:

Der Hang zur Negativität ist in unserem Gehirn angelegt – die Neuropsychologie nennt das „negativity bias“.  Er dient ursprünglich unserem Schutz und soll unser Überleben sichern, da er uns schnell vor Bedrohung und Gefahr warnt. Aus diesem Grund haben wir ganze Areale im Gehirn, die sich „hauptberuflich“ auf Negatives abonniert haben: So sind zwei Drittel der Neuronen in unserer Amygdala, dem „Alarmzentrum“ unseres Gehirns, für die Suche nach Negativem abgestellt. Und negative Reize lösen viel schnellere und intensivere Reize im Gehirn aus als positive. Die positiven Eindrücke perlen an uns ab, die negativen haften wie Klettband und blasen sich zu unangemessener Größe und Wichtigkeit auf und übernehmen gerne die Herrschaft über unser Denken und Fühlen.

Scheinwerfer auf unheimlichem Nebel, Positivität nicht in Sicht

Was die Menschen in der Negativspirale der Motzerei gemeinsam haben: Sie halten ihre Sichtweise auf die Welt für „kritisches Denken“, „den Fakten ins Auge sehen“, „man muss die Dinge auch mal beim Namen nennen“ und „Aufklärung für die Naiven“ – kurzum für DIE Wahrheit, DIE Realität. Was sie dabei übersehen: Es ist nur ein Ausschnitt, den sie sehen, aber nicht das Ganze. Und es ist eine Bewertung, die sie drüberlegen, aber nicht die absolute Wahrheit. Und: Sie wissen nicht, dass sie sich selbst mit ihrem „negativity bias“ immer weiter in eine Negativspirale hineintreiben und sich immer mehr von ihren Ressourcen abschneiden. Denn unser Gehirn formt sich durch das, was wir immer wieder tun und denken, worauf wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder richten. Das nennt sich „Plastizität des Gehirns“ und bedeutet in diesem Fall: Wer viel jammert, wird immer mehr Bejammernswertes entdecken und damit die eigene Weltsicht bestätigt finden.

Natürlich funktioniert das ganze auch andersrum, und das ist die gute Nachricht: Wer die Aufmerksamkeit auf Positives lenkt, wird dadurch reichlich belohnt: Zunächst bessert sich die Stimmung, mensch wir auch für das Umfeld zu einem angenehmen Zeitgenossen. Das Gehirn übt sich darin, positive Verbindungen herzustellen und zu verstärken. Das erweitert den Horizont und macht uns auf längere Sicht immer kreativer, gelassener und energievoller, wie Barbara Fredrickson mit ihrer „broaden and build“-Theorie bewiesen hat.

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Und hier kommt die Mutmacherei ins Spiel: Seit Jahren verbreiten wir ausschließlich positive Nachrichten. Wir möchten dadurch allen Menschen, die wir erreichen, helfen, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf das Positive richten, auf die Lösungsansätze und auf das Gelingende. Und dass sie damit ihr Gehirn in Richtung Positivitätsspirale trainieren. Das stärkt jeden einzelnen Menschen, aber auch uns als Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die derzeit massenmedial überschwemmt wird mit „fake news“ und Katastrophenmeldungen. Wir möchten eine Art Kompass für die Aufmerksamkeit sein, damit sie immer wieder den Weg in Richtung Positives findet. Denn wie wir wissen ist die Kraft der Ablenkung zum Negativen groß. Unser Kompass zeigt auf unserer Facebook-Seite täglich die Richtung an, außerdem in unseren „Monatlichen Mutmachereien„, bei unseren Veranstaltungen wie z.B. den BrainWalks. Und in unserem Mut-Map – einer Sammlung von über 600 positiven Projekten aus der ganzen Welt. Es geht nicht bloß um ein paar nette „Nockerln“ mit netten Inhalten – unser Mutmachen ist strategische, theoriegestützte Arbeit.

Wie reagieren nun die beiden Gruppen der Menschen auf das Mutmachen? Diejenigen, die sich von Positiv-Kompass leiten lassen, melden uns folgendes zurück:

„Daaaanke für deine immer wieder inspirierenden Infos und aufbauenden Ermutigungen!“

„Eure positiven Nachrichten sind Balsam in diesem Ozean von Mieselsucht.“

„Ich lese eure Nachrichten sehr gerne, sie geben mir einfach Energie!“

„Vielen herzlichen Dank für diese Fülle an Lebensfreude, DANKE!!!“

„Danke von Herzen für diesen wunderbaren Newsletter, der immer wieder super spannend ist! Darauf freue ich mich jedes Mal.“

„Danke für die vielen, feinen Inspirationen!“

allsmilesSie erleben dadurch Dankbarkeit, Freude, Inspiration, Interesse und Hoffnung – positive Emotionen, die stärken und Ressourcen aufbauen. Dadurch wird mensch handlungsfähiger und traut sich selbst zu, etwas verändern zu können. Die Ausstrahlung wird positiver und wirkt sympathisch und ansteckend auf andere.

 

Und dann gibt’s diejenigen, die auf jede positive Nachricht mit „ja, aber …“ reagieren. Ein Beispiel zur Illustration: Wir posten über einen Jungen, auf dessen Initiative bereits mehr als 14 Milliarden Bäume gepflanzt wurden. Moment, hier nochmal in Zahlen: 14.000,000.000. Das sind verdammt viele Nullen, jenseits aller Vorstellung. Wenn das nicht toll ist und dem Gehirn Sprit für eine wahre Hochschaubahn an positiven Reizen liefert! „Ein Neunjähriger hat das auf die Beine gestellt – da könnt‘ ich ja vielleicht auch ein bisschen was bewegen!“ Aber nein, man folgt dem Negativkompass: Dieser Kompass führt zur Behauptung, dass angeblich 90% der Jugendlichen nicht wissen, was ein Baum ist und sich für nichts interessieren, usw. usf. Dann folgen „sachliche“ Diskussionen über Ausmaße der Abholzung und die schrecklichen jungen Leute von heute. Also ein flinker Themenwechsel von etwas Wunderbarem, Lösungsorientierten hin zu Problemen, Missständen, Vorwürfen und als Fakten verkleideten persönlichen Meinungen.

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Und was passiert im Gehirn? Zurück zum Start, zum Negativen, zur Lähmung, zur „es hat eh alles keinen Sinn“-Haltung, zur gelernten Hilflosigkeit: So ist es halt, da kann man nichts machen. Verbrämt von ein wenig Stolz auf den eigenen „kritischen Geist“ und dass man es den naiven Verbreiter*innen vermeintlich guter Nachrichten wieder mal so richtig reingesagt hat.

Liebe Leute mit dem ja,aber-Kompass: Uns geht es nicht darum, dass wir uns in unseren Inhalten kritisiert fühlen. Sondern vielmehr: Wisst ihr eigentlich, wie sehr ihr euch selbst schadet mit dieser Haltung? Wie sehr ihr euch selbst ganz toller Entfaltungsmöglichkeiten beraubt, die euer Leben unglaublich bereichern würden? Wie sehr ihr damit zur Erhaltung des Status quo beitragt, obwohl ihr vermutlich etwas bewegen und die Missstände verbessern wollt? Dass ihr mit dieser Haltung immer wieder eine Prise Gift in die allgemeine Stimmung streut? Und: Was sollte auf so ein Statement denn folgen: ein Begeisterungs- und Motivationsschub der jungen Leute? Der Glaube an die eigene Wirksamkeit und Fähigkeit etwas beizutragen? Ganz bestimmt nicht.

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Damit wir uns richtig verstehen: Wir behaupten nicht, dass alles Wonne und Waschtrog ist. Ja, es gibt noch Abholzung, und zwar unerträglich viel. Ja, die CO2-Entwicklung ist extrem besorgniserregend, trotz der Milliarden an neuen Bäumen. Ja, viele Menschen – junge wie alte – sind der Natur entfremdet. Das wissen wir alle. Das hören, sehen, lesen wir ständig. Doch müssen wir es noch mehr wiederholen, uns noch tiefer reinbohren, uns noch mehr darin suhlen, noch mehr in diese Richtung starren? Zur Erinnerung: Es geht um die Frage, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Wo bleibt der Platz für den Rest der Wahrheit, nämlich all das Positive, das tagtäglich geschieht? Diesen Rest der Wahrheit gibt es ja auch noch, und er tut dem anderen Teil keinen Abbruch. Keiner der Teile wird durch den anderen weniger wahr. Doch das Gesamtbild und seine Gesamtbewertung ändern sich. Und damit unsere neuropsychologische Ausrichtung, unsere Stimmung, unsere Handlungsfähigkeit, unsere Zuversicht.

pstLiebe ja aber-Leute, wir machen euch nun ein unmoralisches Angebot: Lasst euch dazu verführen, fremdzugehen! Wagt einen One-night stand mit dem Positiv-Kompass. Am Anfang habt ihr vielleicht ein schlechtes Gewissen, fühlt euch treulos und verräterisch. Doch nach ein paar Mal gibt sich das und es wird richtig geil gut. Lasst euch ein auf diese neue Beziehung. Sie wird euch viel mehr Freude und Glück bringen. Der neue Kompass ist ein Partner, mit dem man Pferde stehlen und  jede Menge Spaß und Action haben kann, statt bloß motzend am Sofa zu verschimmeln. Und irgendwann habt ihr dann den Mut, zum alten Kompass zu sagen: „Ich will die Scheidung!

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Bis dahin empfehlen wir euch unsere 7-Tage-Challenge zum Überwinden negativer Gedanken als harmlosen, aber unwiderstehlichen Flirt.

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2 Kommentare

  1. Liebe MutmacherInnen, herzlichen Dank dafür, dass Ihr Euch für die Positivität stark macht.
    Fein auch für Euch selbst, so eine schöne Aufgabe gefunden zu haben und mit Hingabe ausüben zu können.
    Ihr könnt vielleicht auch die konstruktiven Anmerkungen mit kritischer Bei Note zu manchen Beiträgen einfach so stehen lassen? Die Welt ist nicht schwarz – weiß, ‚Positivität‘ und ‚Negativität‘ sind einfach zwei Seiten, die auch wunderbar zur allgemeinen Verbesserung miteinander interagieren können. In einem selber, als auch im Miteinander. Ein starkes Herz repräsentiert ‚Liebe‘, und trotzdem war z.B. auch Jesus zornig, wenn er die Heuchelei der Tempelpriester vor Augen hatte, und reagierte dann auch entsprechend ‚negativ‘. Oder denken wir an das Beispiel der Vorbereitung von Kindern auf das selbstverantwortliche Leben als Erwachsene, in einem globalen Dorf. Wie würde ein/e Jugendliche/r, welcher aus einer 100% Wohlstands-Kind-Positivitäts-Blase mit 18 Jahren erstmals in die Welt entlassen wird, angemessen reagieren (können), wenn eine der ersten gestellten Aufgaben wäre, z.B. mitten in einem kürzlich abgebrannten Regenwald mit der angestammten lokalen Bevölkerung in Kontakt treten zu müssen? Wie wären seine ausschließlich positiven Geschichten aus einer geplatzten Surrealität dann für alle Beteiligten nützlich? Ein starker guter und damit positiver Charakter bildet sich eher, wenn auch Widersprüchlichkeiten bekannt sind, und ausgehalten werden können.
    Ich wünsche weiterhin bestes Gelingen, und freue mich zumeist über Eure Beiträge, selbst wenn ich manchmal nicht besonders damit einverstanden bin, weil ich eine verkürzte Darstellung darin wahrnehme. Wo in einer erzählten Geschichte‚ sprichwörtlich ‚der Dreck einfach unter einen hübschen Teppich gekehrt ist‘. Da es nicht Eure persönlichen Lebensgeschichten sind, sind es auch nie persönlich zu deutende Bemerkungen. Sondern von meiner Seite zumindest, sind es Beiträge zur offenen Betrachtung von ‚Schein‘ oder ‚Sein‘, im jeweiligen Kontext. Solches zu unterscheiden, empfinde ich persönlich, gerade auch im Sinne einer ‚wahren‘ Positivität, als sehr wesentlich. Schönen ‚Schein‘ haben wir mehr als genug. Falls ihr 100% anderer Meinung seid, dann bitte ich um Rückmeldung. Ich kommentiere dann nichts mehr, und like einfach nur mehr, wenn mir etwas Besonderes unterkommt.
    Herzlichen Gruß
    Reinhold

  2. Soviel Richtiges in diesem Artikel steht, so erinnert er mich dennoch etwas an die ’notorischen Positivdenker‘ 😉
    Mittlerweile aber weiß man, dass diese Universums- Bestellungen ja doch nicht klappen. Denn: Das Hirn ist ja nicht blöd und denkt sich vermutlich ‚Jaja, bestell nur. Ich aber weiß, dass es Unmögliches nicht gibt‘. Oder warum wohl ist die ‚Oberbestellerin‘ Bärbel Mohr so jung an Krebs gestorben!?
    Und ebenso muss auch nicht jede gut gemeinte Initiative wirklich gut sein! Das Bemühen des Affen, den vermeintlich armen, armen Fisch auf den Ast zu setzen ist auch gut gemeint! 😉
    Und das muss man ihm schon sagen dürfen, bevor er das nächste Dutzend Fische sekkiert!

    Und der zweite Haken Eures Artikels ist, dass er sehr unangenehm nach Ruhigstellung jeglicher Kritik, die aber sehr wohl konstruktiv auch sein kann, klingt. Einfach jedem Mitdenkenden das ‚Ich bin a pöser, pöser JA ABER‘- Sackerl überzustülpen ist einfach unfair.

    Liebe Grüße und
    paradise your life! 😉

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