Foto von Kimbal Musk vor The Kitchen mit einer Tasse Kaffee in der Hand

Kimbal Musk will die Ernährung revolutionieren

Kimbal Musk möchte eine Revolution in der Ernährung einläuten. Mit seinem farm-to-table-Konzept will er frische, lokal und nachhaltig produzierte Lebensmittel auf die Teller einer hartgesottenen Fastfood-Anhängerschaft bringen.

Power-Brüder

Die Musk-Familie hat wohl das Weltumkrempeln im Blut. Elon Musk ist ja schon ein Mehrfachbegriff: Als Großinvestor und CEO von Tesla Motors hat er den Markt und das Image der Elektrofahrzeuge revolutioniert und möchte das Unternehmen nun zu einem Branchengiganten in Sachen erneuerbare Energien ausbauen. Seine Raumfahrtfirma SpaceX bietet nicht nur Versorgungsflüge für die ISS an, sondern möchte nun ernsthaft das Thema „bemannte Flüge zum Mars“ angehen.

Grüne Küche

Doch hier geht es nicht um Elon, sondern um seinen „kleinen“ Bruder Kimbal. Unternehmerisch immer stark mit den Aktivitäten seines Bruder verbandelt, hat Kimbal doch auch ganz eigene Ideen und Pläne. Er sitzt u.a. im Board von Chipotle – einer amerikanischen Fastfood- Kette, die McDonalds das Fürchten gelehrt hat. Mit frischen, gesunden Zutaten ist mittlerweile auch im traditionell nicht sehr ernährungsbewussten Amerika durchaus Staat zu machen.

Doch damit gibt sich Kimbal noch lange nicht zufrieden. Er gründete „The Kitchen“ – eine Handvoll Restaurants, die lokal und nachhaltig produzierte, frische, gesunde Produkte direkt von den Herstellern beziehen, schonend zubereiten und in die amerikanischen Kernregionen bringen.

Starthilfe für Urban Farmers

Unlängst startete Kimbal den Accelerator Square Roots – eine Firma, die in Startups investieren wird, die sich dem Anbau von frischem Obst und Gemüse in Städten verschrieben haben. Square Roots bietet neben den Investitionen Unterstützung und Mentorenschaft an, um die Startups hochzuziehen. Doch das Unternehmen bietet vor allem ein Businesskonzept zum Einsteigen an: Musk ließ Schiffscontainer speziell umbauen und entwickeln, um „vertical farming“ mit Hydrokultur zu betreiben. In den Städten sollen „campuses“ mit 10-100 solcher Containerfarmen entstehen. Damit fallen die sonst üblichen langen Transportwege der Nahrungsmittel weg – man produziert in unmittelbarer Nähe der Kundschaft.

Mit diesem Schritt möchte Kimbal Musk lokale Gemeinschaften stärken und ihnen Zugang zu gesunden, lokal produzierten, frischen Nahrungsmitteln ermöglichen. Damit soll eine ganz neue Generation von urbanen Food-Produzenten entstehen. Die Zeit könnte dafür tatsächlich reif sein: Laut FAO betreiben weltweit 800 Mio Menschen Urban Gardening und produzieren damit rund 15% des Welternährungsbedarfs, Tendenz steigend – allein aufgrund der Tatsache, dass der Anteil der Stadtbevölkerung stetig zunimmt. Kimbal Musk möchte ein Netzwerk von gut aufgestellten Unternehmen entstehen lassen und sich vor allem auf jene Gegenden in den USA konzentrieren, die noch sehr fest im Griff der industriellen Landwirtschafts- und Nahrungsmittelkonzerne sind.

In diesem TEDx-Talk spricht Kimbal Musk über die wirtschaftlichen Möglichkeiten einer Ernährungsrevolution:

Lerngärten für Schulen

Das Terrain hat Kimbal schon seit einiger Zeit getestet: Seine Restaurantkette hat auch ein Nonprofit-Bein, die Kitchen Community. Sie stellt über 300 Lerngärten in mehr als 50 Städten zur Verfügung. Rund 150.000 Kinder sind in den Outdoor-Klassenzimmern bereits eifrig am Gärtnern. Sie eignen sich das fast schon verloren gegangene Wissen über den Anbau unserer Lebensmittel schrittweise und mit Freude wieder an. Doch damit nicht genug: Die Kids lernen „richtiges“ Essen kennen. Denn viele sind ausschließlich mit Fast Food und industriell hergestellten Fertiggerichten aufgewachsen. Sie haben noch nie einer Tomate beim Wachsen zugesehen. Nun können sie in den essbaren Gärten alles live erleben und lernen.

Ein Team von Landschaftsarchitekten passt jeden Lerngarten den örtlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten an. Die Hochbeete werden auf Kinderhöhe gebracht und sind von Sitz- und Schattenplätzen umgeben, um angenehmes Lehren und Lernen zu ermöglichen. Dabei sollen die oft recht tristen Schulhöfe in lebendige Zentren der Schulen umgewandelt werden, in denen sich die Schüler*innen gerne aufhalten. Ausgewählt werden vor allem Schulen in benachteiligten Gegenden und „Ernährungswüsten„.

Kimbals Neigung zum Kulinarischen begann schon 1999. Damals nutzte er den Erlös aus dem Verkauf eines der Unternehmen, die er gemeinsam mit Elon hochgezogen hatte, um eine Ausbildung in französischer Küche zu machen. Doch der endgültige Impuls kam im Zuge von 9/11. Kimbal half bei der Verköstigung der Feuerwehrleute, die mit den Aufräumarbeiten der eingestürzten Twin Towers betraut waren. Die Ausnahmestimmung und der Gemeinschaftsgeist hinterließen einen unauslöschlichen Eindruck bei ihm und ließen in ihm den Wunsch entstehen, ein Restaurant zu eröffnen.

Kimbal Musk – seine Wege und Umwege

Danach tingelte Musk durch die Gegend, bis er zu einem privaten Abendessen eingeladen war, das sein Leben veränderte: köstliche, einfache Küche mit hochwertigen Zutaten, auf das Wesentliche reduziert. Musk bat seinen Gastgeber, einen Restaurantbesitzer, bei ihm arbeiten zu dürfen, um zu lernen. Ein Jahr lang verdingte er sich als Koch um 10 USD die Stunde. Dort lernte er das Handwerk von der Pieke auf. Bald danach eröffnete er sein erstes Restaurant unter dem Label „The Kitchen„. Doch erst ein Umweg über ein weiteres Internetunternehmen und ein Schiunfall schärften seinen Weg. Mit einem gebrochenen Genick, drei Tage gelähmt, brauchte er viel Mut. Nach einer riskanten Operation und Monaten der Rehabilitation war der Plan gereift: Kimbal Musik wollte Gemeinschaften über den Weg des Essens und der Ernährung aufzubauen. Er gründete auch Next Door, eine Alternative zu den üblichen Fastfood-Läden. Musk siedelt die Läden in Einkaufszentren an und bietet sehr günstige Preise.

Der wahre Unterschied, den Kimbal Musk machen könnte – denn „gesunde“ Restaurants gibt es mittlerweile ja schon einige – liegt v.a. in seinen unternehmerisch erprobten Fähigkeiten. Denn er ist exzellent darin, groß zu denken und im großen Stil zu revolutionieren. Das möchte er mit seinem umfassenden „farm to table“-Konzept erreichen.

Beitragsfoto: Wikimedia Commons

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