Glückliche Frau mit ausgebreiteten Armen

Trotzdem.

[Ira] Ich feiere. Denn es gibt heute was zu feiern.
Und nein, es ist nicht wegen des US-Wahlergebnisses.
Es ist trotzdem.

Es gibt Tage, da fällt es mir nicht leicht, zuversichtlich zu sein und mir und anderen Mut zu machen. Heute ist so ein Tag. Er begann für mich – wie wohl für viele von uns – mit Schockstarre und einer Decke von mulmiger Düsternis, die sich über mich gebreitet hat, als ich frühmorgens die Wahlergebnisse aus den USA gelesen habe. Draufhin hab ich mir eine Extraportion Schlaf gegönnt, denn unausgeschlafen lässt sich’s mit diesen Newes viel schwerer umgehen. Dann hab ich lange nachgedacht und nachgespürt. Und das Bedürfnis verspürt, meine Gedanken aufzuschreiben und zu teilen.

Gedanken, die sich nicht um die Gründe für das Wahlergebnis drehen und auch nicht um die möglichen (schlimmen?) Folgen. Diese Gedanken hatte ich auch, doch möchte ich ihnen nicht zu viel Raum geben. Denn Analysen, Entsetzensrufe und „wir finden das alles ganz schrecklich“-Aussagen werden wir in der nächsten Zeit vermutlich mehr als genug zu hören bekommen.

Ich habe mir überlegt, was mir wirklich wichtig im Leben ist und woran ich festhalte, no matter what. Da wären: ein positiver Blick auf die Zukunft, Vertrauen ins Leben und die Hoffnung auf einen guten Ausgang der Dinge. Ich möchte ein bisschen darüber erzählen, was das für mich bedeutet.

Was ist mir wirklich wichtig?

eine Gruppe von Freunden macht ein Picknick im Sonnenuntergang

Ich werde mich nach dem Schreiben dieses Artikels hinsetzen und eine Meditation machen. Eine Meditation über meine höchste Vision – wie die Welt aussieht, in der ich gerne leben möchte: ein gutes Leben für alle. Wie ich andere behandeln möchte und selbst gerne behandelt werden will: mit Wertschätzung und Respekt. Welche Haltung ich mir als eine der tragenden Kräfte auf unserem Planeten wünsche: eine, die zuversichtlich in die Zukunft blickt, die mit gutem Willen Lösungen sucht – Lösungen, die dem Ganzen und all seinen Teilen dienlich sind -, eine fröhliche, lebensbejahende Haltung. Darauf werde ich meine Aufmerksamkeit richten, ganz viel Kraft durch diese Vision fließen lassen und mich noch stärker mit ihr verbinden.

Ich möchte mit allen meinen Kräften meinen Beitrag dazu leisten, dass diese Vision sich Schritt für Schritt umsetzt. Dass sich all die Kräfte, die schon daran arbeiten, immer besser bündeln können. Denn ich weiß, dass wir eines Tages dringend gebraucht werden. Vielleicht ist das schon morgen oder erst in 20 Jahre, keine Ahnung. Doch ich bin mir sicher, dass das alte System sich selbst zerstört und ein neues antreten wird, das bereits an allen Ecken und Enden vorbereitet wird. Noch ist es ein Minderheitenprogramm, kann sich nicht breit durchsetzen. Doch eines Tages werden all die Lösungen, die jetzt in Vorbereitung sind, ganz wichtig werden und schnell zum Einsatz kommen müssen. Also ist es essenziell, dass die „solutionists“ in ihrer voller Kraft sind.

Die Rolle von Hoffnung und Zuversicht

Mensch unter einem großen Baum

Diese Kraft stärkt sich durch eine positive Grundhaltung und wenn wir positive Emotionen erleben. Und sie schwächt sich durch Negativität, Angst und Sorge. Also bediene ich mich der Hoffnung. Hoffnung wird in solchen Situationen oft als naiv, zu optimistisch und unrealistisch abgetan. Doch Hoffnung ist eine der zehn positiven Emotionen, die Barbara Fredrickson, die führende Positivitätsforscherin, benennt. Hoffnung kann ihren Beitrag zu unserem Erblühen in unsere volle Kraft leisten. Hoffnung verleugnet das Negative nicht, doch sie gibt dem positiven Ausgang eine Chance. Sie lässt den Gedanken zu, dass es Licht am Horizont geben könnte. Sie birgt vor allem weitere Optionen in sich. Hoffnung ist anders als Wissen oder Glauben, Hoffnung kümmert sich auch nicht um Wahrscheinlichkeiten.

Wenn ich Hoffnung habe, kann ich zuversichtlich sein, dass es einen guten Ausgang gibt. Zuversicht spielt bereits  mit Wahrscheinlichkeiten. Je zuversichtlicher ich bin, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, die ich einem positiven Ausgang gebe. Je zuversichtlicher ich bin, desto mehr Fröhlichkeit kann ich erleben.  Und dann komm ich in Feierlaune 🙂

Chancenreich?

Um es konkreter zu machen: Ich hab mir auch überlegt, welche Chancen vielleicht in diesem Wahlergebnis stecken. Vielleicht. Ich weiß es nicht. Ich hoffe es. Vielleicht ist es gar nicht so, dass die Menschen das, was sie gewählt haben, so toll finden. Sondern dass sie vom bestehenden System einfach die Schnauze sowas von voll haben. Das hätte ja auch sein Gutes – lassen wir den Rest der Diskussion hier mal beiseite. Vielleicht entfaltet sich ein Kandidat, der sich wie hochgradig instabiler Rotz am Ärmel geriert hat, aber weiß, wie man Wahlen gewinnt, als einer, der tatsächlich Muster im System brechen kann.

Die Wahrscheinlichkeit, die ich dafür sehe, ist zwar winzigst, doch die Hoffnung möchte ich mir erhalten. Denn schließlich gibt es im Leben immer wieder Überraschungen und unerwartete Entwicklungen. Menschen können an ihren Aufgaben wachsen und in sie hineinreifen. Mir ist die Hoffnung auf diesen Ausgang wichtiger als die Wahrscheinlichkeit, mit der er eintreten könnte.

Vom Schatten

unscharfe Pflanzen in Schwarzweiss

Vielleicht steckt die Chance auch in dem, was das Ergebnis eines Marsches durch eine düstere Zeit sein könnte, die möglicherweise bevorsteht. In einem interessanten Artikel habe ich gelesen, dass die weltweiten Erfolge der Rechtspopulisten ein Sichtbarwerden des kollektiven Schattens sein könnten. Schatten ist hier gemeint als jene Anteile in uns (als Gesellschaft), die wir nicht wahrhaben, wollen, die sozial unerwünscht sind, die politisch nicht korrekt sind – das „Schlechte“, das „Böse“, Gierige, Gewalttätige, …

Die Arbeit am eigenen Schatten ist in der persönlichen Entwicklung ein sehr wichtiger Schritt. Und in der Entwicklung einer Gesellschaft, der Menschheit, wohl ebenso. In der Schattenarbeit geht es u.a. darum, das, was man partout nicht ausstehen kann, was man zumeist bei anderen wahrnimmt und dort extrem verurteilt und ablehnt, in sich selbst zu finden und liebevoll zu integrieren. Das schafft schließlich Verbindendes. Vielleicht ermöglichen uns die nächsten Jahre, Verbindendes zu entdecken – z.B. dass wir alle die Schnauze voll haben von den bestehenden politischen und wirtschaftlichen Praktiken und bloß jeweils andere Lösungen für den besten Weg halten. Vielleicht entstehen daraus neue Lösungsideen, die die Gesellschaft nicht mehr spalten und gemeinsam an Veränderungen arbeiten lassen.

Die Rolle des Alltags

A photo by Erik-Jan Leusink. unsplash.com/photos/-5A8Vtj4Pj8

Und dann wäre für mich da noch die Sache mit dem Alltag: Ohne dass ich die Bedeutung der globalen Rahmenbedingungen kleinreden möchte, will ich mich auch daran erinnern, dass mein Leben großteils aus Alltag besteht. Für diesen Alltag ist es powidl, ob die USA von Graf Bumsti, Mickymaus oder Han Solo regiert werden. Mein Alltag besteht aus dem morgendlichen Spülen der Mungobohnensprossen, dem Vereinbaren von Terminen, am heutigen Abend Singen im Freundeskreis. Mein Alltag will wissen, wieviel Leute sich für die nächste Veranstaltung angemeldet haben, ob ich heute oder doch erst morgen Wäsche wasche, ob ich die Aufgaben, die ich schon ein paar Tage lang vergessen habe, endlich in die to do-Liste geschrieben habe. In meinem Alltag geht’s drum, ob ich grad Bock habe, ein Facebook-Posting zu machen oder doch lieber jetzt zum Bioladen gehe, weil grad die Sonne scheint.

Diesen Alltag darf ich nicht mit dem großen Ganzen verwechseln. Ich darf aber auch nicht vergessen, dass dieser Alltag Teil des großen Ganzen ist. Und dass es ihn nicht kratzt, wieviel Wahlmänner und so …

Mein Alltag gibt mir Erdung, bindet mich ein in das größere Ganze, liefert mir die Herausforderungen, die zu meinem Leben dazugehören.

Grund zu feiern

Luftsprung mit roten Schuhen

Also werde ich heute feiern: Ich feiere meine Hoffnung und meine Zuversicht. Ich feiere das Leben, das mir geschenkt wurde. Das Leben, das so wunderbar ist und ganz unabhängig von den Theaterstücken und Possen auf den diversen Weltbühnen. Ich feiere, dass ich selbst entscheiden kann, ob ich in der Schockstarre bleibe oder meine Aufmerksamkeit woanders hin richte – auf das Positive, auf die Chancen. Ich feiere, dass ich gestalten kann und darf. Ich feiere meine Vision. Ich feiere all die wunderbaren Menschen in meinem Leben in tiefer Dankbarkeit. Ich feiere all jene, die am guten Leben für uns alle arbeiten. Ich feiere, dass ich dem Ungewissen eine Chance gebe.

Hier kannst du mehr über das Richten der Aufmerksamkeit auf Positives erfahren:

 

 

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4 Kommentare

  1. liebe Ira,
    schön zu lesen, was ich derzeit auch fühle – und nicht denke! Überall wo Macht sich manifestiert, sind die Vereinfacher am Werk, Putin Erdowan, May, Trump…
    Wäre doch gelacht, wäre das nicht ein Spielchen der Lebenskraft Emergenz/Evolution, die ein neues Bewusstsein gebiert! Ohne laut zu werden, wollen wir ganz still bei uns selber anfangen…Du hattest in Deinem Beitrag ein paar tolle Stichworte! Dankbarkeit, Hoffnung, Chance…Ich bin grad an folgenden dran: Freude, Dankbarkeit, Inspiration, Intuition…und Achtsamkeit, bei JEDER Handlung. Mit 66 Jahren ist das Unlearning ein rechtes Ding, drum ist es umso schöner, dass es Junge wie Dich gibt, die das später nicht mehr brauchen…
    alles Gute Dir! und danke für den Beitrag!

    1. Lieber Wolfgang,

      vielen Dank für deine schöne Antwort. Was du sagst, findet viel Resonanz bei mir: Ja, in innerer Stille und Achtsamkeit in Tuchfühlung mit der Welt ein neues Bewusstsein entwickeln, Schritt für Schritt, dabei Ressourcen wie Dankbarkeit und Inspiration nützen und gleichzeitig nähren … Und danke, dass du mich zu den Jungen zählst :-)))

      Alles Gute für dich
      Ira

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