Obst und Gemüse um einen Mistkübel

Lebensmittelverschwendung stoppen

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Vier Milliarden Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr weltweit produziert. Ein Viertel erreicht nie seine Bestimmung, sondern wird gleich nach der Produktion, im Handel oder beim Konsumenten wegen Ablaufdatum oder Verderb vernichtet oder weggeworfen. Das Bewusstsein, das dieses Ausmaß an Lebensmittelverschwendung untragbar ist, gewinnt schön langsam an Boden.

Zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen haben sich Kreatives einfallen lassen. Und auch ein paar Gesetzgeber haben sich schon ein bisschen bewegt. In diesem Artikel nehmen wir dich auf eine Reise um die Welt mit und stellen Maßnahmen und Projekte vor, die der Lebensmittelverschwendung ein Ende bereiten möchten.

Top down: Es bewegt sich ein bisschen was

In Europa werden Schätzungen zufolge 22-40% der Nahrungsmittel verschwendet und laut FAO könnte man damit rund 200 Millionen Menschen ernähren.

Damit steht Europa immer noch besser da als die USA und hat bei den Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung die Nase vorn:

Italien

Italien möchte mit einem neuen Gesetz die Nahrungsmittelverschwendung von 5 Mio Tonnen pro Jahr auf 1 Mio reduzieren und rund 12 Mrd Euro einsparen. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage mit hoher Verschuldung und Arbeitslosigkeit erschien der gigantische Food Waste als untragbar. Das Gesetz erleichtert es Bauern und Supermärkten unverkaufte Nahrungsmittel zu spenden und belohnt Betriebe, die ihren Abfall verringern. Denn je mehr Essen gespendet wird, desto weniger Müllsteuer fallen für den Betrieb an.

Weiters werden die Bürger*innen ermutigt, sich im Lokal nicht Verzehrtes “einpacken” zu lassen – eine bislang eher verpönte Sache. Bei dem Thema scheint man es große Einigkeit zu geben: 181 Abgeordnete stimmten zu, zwei enthielten sich und nur einer stimmte dagegen.

Massimo Bottura ist ein Name, den man sich auf der Suche nach Lösungen für die Essensverschwendung merken sollte. Der italienische Starkoch eine ganz besondere Suppenküche, das Refettorio Ambrosiano, eingerichtet: Gemeinsam mit anderen renommierten Köchen und mit breiter Unterstützung verschiedener Stakeholder hat er die Berge an überschüssigem Essen der Mailänder Expo verkocht und im schönen Ambiente eines alten Theaters bedürftigen Menschen liebevoll aufgetischt. Die Gelegenheit so viele erstklassige Chefs vor Ort zu haben wurde gleich genützt, um Rezepte und Ideen auszutauschen, was man mit altem Brot und Kartoffelschalen noch alles zaubern kann.

Gute Ideen exportieren

Nach Ende der Expo hat Bottura weder die Hände in den Schoß gelegt noch den (Koch-)Löffel abgegeben. Er hat seine Idee einfach nach Rio übersiedelt und unter dem Namen RefettoRio Gastromotiva den Food Waste des Olympiadorfes genützt, um den Bewohner*innen der Favelas schmackhaftes und gesundes Essen zu kochen. Auch nach Olympia lebt die Idee weiter: Nun wird für die breite Öffentlichkeit gegen Geld gekocht. Jedes gekaufte Essen bezahlt eine Gratisverköstigung für einen bedürftigen Menschen mit. Im Projekt werden Jungtalente aus den Favelas als Gastronomen ausgebildet.

Der brasilianische Partner von Bottura wünscht sich, dass das Modell in Zukunft von allen Olympiastandorten übernommen wird.

Frankreich

Frankreich hat als erstes Land weltweit ein Gesetz erlassen, dass es den Supermärkten verbietet, Essen wegzuwerfen. Es drohen Strafen von EUR 3.500, wenn ein Supermarkt keine Verträge mit Organisationen schließen, die die übriggebliebenen Nahrungsmittel abnehmen und weiter verwenden. Auch das Vergiften oder Ungenießbarmachen der Nahrungsmittel wurde verboten. Die Essens-Charities bekommen dadurch Unmengen an zusätzlichen Mahlzeiten, die sie Bedürftigen zur Verfügung stellen können. Die gesetzliche Maßnahme ist einer zivilgesellschaftlichen Petition zu verdanken, die von einem Gemeinderatsmitglied, Arash Derambarsh, initiiert wurde. Sie wurde einstimmig vom Parlament beschlossen.

Auch die französischen Food-Charities sind durch das neue Gesetz logistisch gefordert: Sie müssen die Nahrungsmittel abholen und ordentlich aufbewahren. Weiters müssen sie bei der Essensaufgabe darauf achten, dass es richtige Ausgabestellen sind, die den zwischenmenschlichen Kontakt und Austausch fördern – ein einfaches Verteilen auf der Straße ist nicht gestattet.

Frankreich hat bereits 2014 Aufsehen erregt, als die Supermarktkette Intermarché ihre “Inglorious Fruits and Vegetables“-Kampagne startete: Die Obst- und Gemüselieferanten wurden aufgerufen, jene Produkte anzuliefern, die sie normalerweise entsorgen würden – wegen Schönheitsfehlern.

Der Erfolg dieser Aktion hat wohl alle überrascht. Die Kund*innen wurden mit frischen Smoothies davon überzeugt, dass hässliche Früchte genauso gut schmecken wie ihre schönen Verwandten. Der günstige Preis war wohl eine weitere Hilfe. Die Kette verzeichnete einen ungeheuren Zustrom an Neukunden, Umsatzsteigerungen und explodierende Reichweiten in den Social Media. Einziges Problem: Die unhübschen Feldfrüchte waren viel zu schnell ausverkauft. Das Video bringt das Thema auf humorvolle Art näher:

Intermarche – ‘Inglorious Fruits and Vegetables’ from Goodvertising on Vimeo.

In Europa fanden sich bald zahlreiche Nachahmer. Die USA tun sich viel schwerer damit. Die Biosupermarktkette Whole Foods hat als erstes die Idee aufgegriffen – denn auch in Bioläden gelten sonsts die herkömmlichen Schönheitsstandards für unsere Vitaminbringer.

Europäische Union

Derambarsh, der Initiator der französischen Petition, sieht Frankreichs neues Gesetz als einen ersten wichtigen Schritt. Er möchte nun die französische Regierung dazu bewegen, in der EU auf flächendeckende Umsetzung der Maßnahmen zu drängen. Außerdem sollen nach den Supermärkten auch Restaurant, Schul- und Betriebskantinen und Bäckereien in die Pflicht genommen werden.

Das Europäische Parlament hat bereits mit 600 zu 48 Stimmen einen Aufruf an die Kommission verabschiedet, unfaire Handelspraktiken in der Nahrungsmittelbranche zu unterbinden. Denn dadurch entsteht oft Überproduktion und Verschwendung.

Bottom up: Startups und Initiativen machen das Kraut fett

Dänemark

Dänemark hat mehr Projekte gegen die Nahrungsmittelverschwendung vorzuweisen als jedes andere Land. Das ist vor allem der von Selina Juul gegründeten Lobbygruppe Stop Spild Af Mad zu verdanken. Die ursprünglich aus Moskau stammende Grafikerin war über die für sie ungewohnte Lebensmittelverschwendung entsetzt und begann mit einer Facebook-Seite. Dort gab sie einfache Tipps, wie man dem Food Waste entgegen wirken kann. In einem kleinen Land wie Dänemark erhielt sie schnell Mediencoverage. Und bald griff der erste Supermarkt das Thema auf und stoppte die Sonderangebote, die zu Mehrkauf führten. Das war 2008. Mittlerweile haben alle dänischen Supermärkte Strategien, um die Verschwendung einzudämmen.

Das Erfolgsgeheimnis ihrer Kampagnen sieht Selina darin, dass ihre Lobbygruppe Lösungen anbietet und nicht nur Probleme aufzeigt. Mit humorvollen Kampagnen ist es gelungen, Themen geschickt zu reframen und gleichzeitig Bewusstsein zu schaffen. So wurde z.B. dazu aufgerufen, einmal im Monat im Gefrierfach Ausschau nach einem UFO zu halten – einem “unidentified frozen object”, wie es wohl in jedem Haushalt zu finden ist, und dieses zu verspeisen. Auch in Dänemark hatte es kein gutes Image, sich das Essen im Restaurant einpacken zu lassen. Auch hier hat Selina mit positiven Bildern gearbeitet: Die “doggy bags” wurden schlichtweg in “goody bags” umbenannt.

Die dänische Saat geht auf

In Folge sind zahlreiche Projekte entstanden, die alle die Lebensmittelverschwendung in den Griff bekommen möchten. In einem Pop-up Store können Bedürftige für nur EUR 2 soviel Obst und Gemüse in eine wiederverwendbare Tasche reinladen, wie sie möchten. Die Ware wird von Supermärkten abgeholt, zweimal pro Woche ist geöffnet. Der Laden zählt rund 100-150 Kund*innen pro Woche.

Aufgrund des großen Erfolgs eröffnet demnächst bereits der zweite Essensreste-Supermarkt. Dort kann man um 30-50% billiger einkaufen. Das Angebot wechselt täglich – je nachdem, was bei den “regulären” Supermärkten übrig geblieben ist.

Die beliebten All you can eat-Buffets – große Überschüsse an Essen sind dort quasi vorprogrammiert – hat sich die Initiative TooGoodToGo vorgeknüpft. Über die Website oder eine eigene App sucht man sich ein All you can eat-Restaurant in der Nähe heraus, das bald Sperrstunde hat, holt sich einen Gutschein für EUR 2 und kann dann im Lokal eine Box mit Essen vollpacken.

Aufgrund der vielen Maßnahmen und Initiativen konnte die Lebensmittelverschwendung in Dänemark seit 2010 bereits um ein Viertel reduziert werden.

Ein ganz ähnliches Konzept verfolgt BuffetGo. Ursprünglich aus Finnland bekam die App in Dänemark Flügel und bedient nun vor allem die USA und sieben weitere Länder. Pro Tag können 240.000 Essensportionen vor der Deponie gerettet werden. 20% der Einnahmen von jedem Essen gehen als Spende an das Welternährungsprogramm der UNO, den Großteil bekommt das Restaurant und ein kleiner Teil bleibt bei BuffetGo.

Großbritannien

Innovative Wege beschreitet auch das Real Junk Food Project, ein weltweites Netzwerk aus Cafés, die mit “gerettetem” Essen arbeiten und in denen die Gäste den Preis selbst bestimmen können.

Nun betreibt das Real Junk Food Project auch einen Supermarkt mit Waren, die noch voll genießbar sind, deren Verpackung aber beschädigt ist oder die knapp am Ablaufdatum sind und daher von anderen Supermärkten ausgemustert wurden.

Deutschland

Deutschlands Landwirtschaftsminister Schmidt möchte den 11 Mio kg-Berg an jährlich weggeworfenen Lebensmitteln bis 2030 auf die Hälfte reduzieren. Von “Überregulation”, also etwa gesetzliche Maßnahmen wie in Frankreich, hält er nichts. Sein Ansatz ist – ähnlich wie in den USA – eine Verbesserung der Auszeichnung des Haltbarkeitsdatums. Weiters überlegt er smarte Verpackungen, die den Konsumenten informieren, wenn sich ein Produkt dem Ende der Genießbarkeit nähert. 10 Mio EUR möchte er in Forschung und Startup-Förderung stecken.

USA

Aktivisten in den USA erhoffen sich durch die europäischen Vorstöße Druck auf die US-Gesetzgeber. Denn dort tut sich noch kaum etwas. Obama hat Pläne angekündigt, Food Waste bis 2030 zu halbieren. Das wäre mehr als dringend nötig: 42% der Nahrungsmittel wandern in den Müll und stellen den größten Mengenanteil auf den Deponien dar. Ein Viertel des Trinkwassers geht für die Produktion von Nahrungsmitteln drauf, die in niemandes Magen landen. Jeder Haushalt schmeißt im Durchschnitt um USD 1.500 pro Jahr in die Mülltonne, obwohl jeder sechste keine gesicherte Ernährung hat.

Obamas Plan in konkrete Schritte umzusetzen ist in der politischen Landschaft der USA  nicht einfach: Der im Kongress eingebrachte Food Recovery Act stellt bereits eine abgespeckte Version dar. Er sieht einerseits bewusstseinsbildenden Maßnahmen vor, andererseits eine Veränderung der Haltbarkeitsauszeichnung: Laut Vorschlag soll es in Zukunft zwei Datumsangaben geben. “Best before” gibt die optimale Verwendbarkeit an, “expires on” nennt jenes Datum, ab dem es nicht mehr sicher ist, das Nahrungsmittel zu essen. Der Weg durch die diversen Komitees könnte noch ein langer sein.

Kurz gesagt: Auf der Ebene geht nichts weiter. Veränderung bringen private Initiativen und kreative Startups.

Kreative Ideen

2014 hat in New York der Salvage Supperclub gestartet. Er bietet Dumpster Dinner vom Feinsten an und hat es damit schon bis nach San Francisco geschafft. Für stolze USD 125 kann man sich ein Gourmetmenü in und aus der Mülltonne zaubern lassen. Die Gründer des Salvage Supperclub möchten mit ihrer Idee vor allen Bewusstsein schaffen und ihre Gäste für das Potenzial in unseren Nahrungsmitteln wie auch Abfallkübeln begeistern.

Zum Bewusstmachen von Lebensmittelverschwendung speisen Menschen an einer langen Tafel in einem Abfallcontainer

Ein Viertel des Gewinns der Salvage Supperclubs wird an die Foodcharity Food Runners gespendet, die Essen an Bedürftige verteilt. Food Runners holen das Essen von über 500 Betrieben – darunter Google als größter Spender – ab und verteilt mehr als 5.000 Essen pro Woche.

Einen Teil seiner Produkte bezieht der Salvage Superclub von Imperfect Produce – einer Organisation, die sich für “hässliches” Obst und Gemüse stark macht. Sie holt es direkt von den Bauern ab, verpackt es und vermarktet es in Form von Gemüsekisterln als Abo. Die Kund*innen zahlen um 30-50% weniger als für hübsches Grünzeug.

Mit einem ähnlichen Ansatz geht Hungry Harvest noch einen Schritt weiter: Für jedes verkaufte Kisterl mit schiachem G’mias wird bis zu 1 kg Ware an Organisationen und Essensausgabestellen gespendet.

Technische Lösungen

Essensreste, die nicht vermieden werden konnten, können einer technischen Verwertung zugeführt werden. In Sacramento wurde im Rahmen einer Public-Private-Partnership mit der University of California ein BioDigester eingerichtet. Das Gerät” verspeist täglich bis zu 100 Tonnen von Essensresten lokaler Restaurants, Schulen und Supermärkte und verwandelt sie in Biogas, Strom und Düngemittel. Mit dem Gas können Schulbusse, Müllfahrzeuge etc. betrieben werden. Der Umwandlungsprozess nennt sich anaerobe Zersetzung und funktioniert durch Mikroorganismen. So wird nicht nur Deponievolumen gespart, sondern auch fast 20.000 Tonnen CO2.

Österreich

In Sachen Lebensmittelrettung braucht sich Österreich absolut nicht zu verstecken. Da gibt’s zum Beispiel iss mich! Partnerbetriebe stellen aussortierte regionale Bio-Lebensmittel zur Verfügung, die iss mich! verkocht. Die Speisen werden in wiederbefüllbaren Pfandgläsern per Lastenfahrrad in Büros geliefert oder für Veranstaltungen gecatert. Außerdem bietet iss mich! in Zusammenarbeit mit pro mente Praktikumsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt an

Nach dem Motto “Restlos glücklich” hat sich Foodsharing.at bereits gut etabliert. Wer sich auf der Website als Foodsharer registriert, kann digitale Essenskörbe erstellen. Das macht man z.B. bevor man auf Urlaub fährt oder wenn von der Party was übrig geblieben ist. Auf einer Karte können andere den Essenskorb sehen und ihn sich abholen. Auf der Karte sind auch die Fair-Teiler eingetragen – das sind Kühlschränke oder Regale an öffentlich zugänglichen Orten, wo man Essensreste hinbringen kann, die sich jede*r gratis abholen kann. Hier findest du eine Standortliste der Fair-Teiler. Mittlerweile gibt es in fast jedem Wiener Bezirk einen.

Wer sich zum Foodsaver hochstuft, kann auch von Partnerbetrieben Essensüberschüsse abholen und teils selbst behalten oder weiterschenken. Der Rest wird auf Foodsharing eingetragen sowie an gemeinnützige Projekte verteilt. Die Betriebe werden dadurch entlastet, ersparen sich die Entsorgung und entwickeln Bewusstsein für das Thema Lebensmittelverschwendung.

Cornelia Diesenreiter von Unverschwendet hält zwei Einmachgläser in den Händen
Cornelia Diesenreiter von Unverschwendet

Auch kleine Mengen an überschüssigen Lebensmitteln vor dem Verderben zu retten – das ist das Anliegen von Cornelia Diesenreiter. Ihr Startup Unverschwendet bezieht im Großraum Wien Obst und Gemüse von Privaten und Bauern, die mehr Ernte haben, als sie verarbeiten können. Daraus zaubert Cornelia kulinarische Köstlichkeiten in Form von Marmeladen, Chutneys, Gelees und Sirupen. In einer Kooperation mit der Wiener Tafel kocht Cornelia mit armutsbetroffenen Menschen und bringt ihnen das Kochen als Beruf näher. Nun gibt es einen eigenen Stand am Schwendermarkt und in Kürze startet auch der Online-Verkauf.

Finanzierungsansätze gegen Lebensmittelverschwendung

An guten Ideen zur Eindämmung der Lebensmittelverschwendung mangelt es nicht – die Umsetzung scheitert meistens am fehlenden Kapital. Dem möchte die Closed Loop Foundation in den USA entgegenwirken. In einer ersten Runde konnten bis August Projektideen eingereicht werden, um bis zu 50.000 USD an niedrig verzinsten Krediten oder an Zuschüssen zu bekommen. Den finanziellen Startschuss zu diesem Projekt hat die Walmart Foundation gegeben. Die US-Supermarktkette Walmart war unter Beschuss geraten, weil die Bereitschaft, auch “hässliches” Obst und Gemüse ins Sortiment aufzunehmen, äußerst bescheiden war. Die Siegerprojekte werden im November bekannt gegeben.

ReFED ist ein Multistakeholder-Zusammenschluss von über 30 Unternehmen, NGOs und Stiftungen mit dem Ziel, die Lebensmittelverschwendung in den USA zu reduzieren. ReFED möchte vor allem Kapital aufstellen, aber auch auf die Politik einwirken und faktenbasierte Informationen für Unternehmen zur Verfügung stellen. Auf der Website werden 27 Maßnahmen angeführt und jeweils auf ihren Nutzen in sieben Kategorien untersucht (Wasserersparnis, Emissionsverringerung etc.). Die Website bietet eine Fülle an Datenmaterial zum Thema.

Experimentierfreudige Menschen als Vorbilder

In den letzten zwei Jahren hat William Reid nur rund 5 EUR für Essen ausgegeben. Er ernährt sich ausschließlich vom Dumpstern und speist laut seinen Aussagen dabei wie ein König. Bereits seit 2014 hat William dem gekauften Essen abgeschworen und war zunächst selbst überrascht, wie einfach sein neuer Lifestyle war und wie vielfältig und gesund er sich ernähren kann. Er hatte noch nie gesundheitliche Probleme aufgrund verdorbender Lebensmittel oder Mangelerscheinungen.

Kürzlich hat William seine Ernährung auf vegan umgestellt. Der Grund: Er brauchte eine neue Herausforderung, das Dumpstern allein war ihm bereits zu einfach. Nun hat er deutlich mehr Aufwand, um zu einer Mahlzeit zu kommen, und hat auch bereits Gewicht verloren. Dennoch meint er, dass er fürs Zusammensuchen einer Mahlzeit nicht mehr Zeit braucht als für einen Einkauf im Supermarkt.

William möchte nicht missionieren und jedermensch zum Dumpstern überreden. Der Filmstudent will vielmehr auf das absurde Ausmaß der Lebensmittelverschwendung hinweisen und dreht darüber auch gerade eine Doku.

#SDG2 #SDG12 #SDG17 #GoodLifeGoals

Weiterführendes

Möchtest du noch mehr über Lösungen zum Thema Lebensmittelverschwendung wissen? Schau in diesen Report von End Rural Hunger rein. Da gibt es zahlreiche Lösungsansätze – von ganz einfachen bis hin zu technisch-innovativen.

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7 Kommentare

  1. Mein Mann und ich waren ursprünglich auch bei Foodsharing.de (seit 2013), haben im Mai 2013 aufgehört Lebensmittel zu kaufen, bzw. außer Katzenfutter überhaupt nichts mehr gekauft. Wir haben die Erfahrungen wie William Reid gemacht und viele unserer Freunde und Bekannten machen es uns jetzt nach. Inzwischen sind wir aus Foodsharing ausgestiegen, weil es da nur um Lebensmittel ging und wir eben der Meinung sind, daß wir als Verbraucher mehr tun müssen, um in unserer Welt enkelgerecht zu leben und zu arbeiten. Seit Oktober 2016 sind wir nun Lebens-mittel-retten & mehr. Wir bekommen pro Woche von vielen verschiedenen Stellen 3000 kg Lebensmittel und mehr und verteilen die weiter, bzw. verkochen sie bei verschiedenen Gelegenheiten und jeder darf mit uns essen, ohne etwas dafür zu bezahlen. Daneben haben wir Verschenkeräume für Kleidung, Haushaltsartikel und mehr eingerichtet, beteiligen uns aktiv am Repair-Cafe und vieles mehr. Besonders schön ist es, daß mein Mann durch die Umstellung unserer Lebensweise nun nur noch Teilzeit arbeitet (wir brauchen einfach weniger Geld durch unsere Konsumverweigerung) und ich mir mit meiner Minirente nicht mehr als assozial vorkomme. Achja, angefangen hat es mit dem Lebensmittelabfall, doch nun ist es soviel mehr und man kann es in einem Kommentar gar nicht alles erwähnen. Unser Fazit ist ganz einfach: Nicht drüber reden, sondern tun.

    Brigitte & Fred

    1. Liebe Brigitte, lieber Fred,
      ganz lieben Dank für eure Nachricht. Das ist wirklich toll und ihr zeigt damit, was alles möglich ist und was einzelne Menschen bewirken können. Hut ab!
      Mit herzlichen Grüßen
      Ira

  2. Das mit der Lebensmittelverschwendung ist in Deutschland tatsächlich ein riesen Problem. Ich arbeite ehrenamtlich bei der Hamburger Tafel und mir ist leider aufgefallen, dass Lebensmittel (gerade Kühlprodukte) aber auch Obst und Gemüse (ganz besonders betroffen sind da diverse REWE und Pennymärkte) lieber weg geworfen werden oder zum Minimalpreis noch verkauft werden, obwohl spenden genauso viel bringen würden.

    Die spenden an die Tafeln in Hamburg für Hilfsbedürftige sind gerade im letzten Jahr extrem zurück gegangen und anstatt die Tafeln zu unterstützen, beschließt die EU Gesetze, dass Lebensmittel, die nicht der Norm entsprechen, lieber vernichtet als gemeinnützige Organisationen weiter gegeben werden.

    Ich bin gespannt, wann Deutschland endlich einem Gesetz wie es in Frankreich gibt, nachkommt.

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